Balance und Achtsamkeit

Mental Load

Ein Wort, das man aktuell überall liest. Was bedeutet eigentlich Mental Load? Wer hat Mental Load? Ist zu viel davon schädlich? Und was mache ich dagegen?
Diese Fragen werde ich euch heute beantworten.
Was Mental Load eigentlich ist, möchte ich kurz an 2 Beispielen erklären. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere schon wieder.

Beispiel 1:
Partner 1 bittet Partner 2 das Wohnzimmer zu staubsaugen. Partner 2 hört die Bitte und antwortet: „Ja, das mache ich später.“
Jetzt rotiert es im Kopf von Partner 1. Was heißt später, denkt mein Partner noch daran? Ich kann nicht wischen, wenn nicht gesaugt wurde…
2 Std. später erinnert Partner 1 erneut, genervter als zuvor. Daraufhin reagiert auch Partner 2 genervt auf das erneute Erinnern.
Was denkst du, wer hat in dieser Situation den Mental Load, die mentale Last?

Beispiel 2:
Wieder Partner 1 und Partner 2, diesmal mit Kindern. Partner 1 wird heute die gemeinsamen Kinder in die Schule fahren.
Doch die Kinder sind noch im Schlafanzug, keine Brotboxen sind fertig, die Schulmappen im Zimmer verteilt. Da beschwert sich Partner 1 bei Partner 2, warum die Kinder nicht fertig sind. Sie sollen doch in die Schule gefahren werden. Somit wird von Partner 2 erwartet, die Kinder fertig zu machen, die Rucksäcke und Brotboxen zu füllen sowie alles andere organisatorische im Blick zu haben.
Was meinst du, wer hat hier den Mental Load?

Anhand dieser Beispiele möchte ich den Begriff Mental Load genauer erläutern. Es sagt aus, wer in der Partnerschaft die mentale Last trägt. Wer von beiden an die Abläufe denkt und dafür sorgt, dass sie umgesetzt werden.
Im 1. Beispiel liegt diese Last bei Partner 1. Dieser Partner hat den Gedanken, dass gestaubsaugt werden muss. Solange es der andere Partner nicht erledigt, können die Folgeaufgaben nicht begonnen werden. Partner 1 hat weiterhin die Aufgabe im Kopf und muss Partner 2 erneut erinnern. Alle Aufgaben müssen sortiert und delegiert werden, von Partner 1.

Im 2. Beispiel liegt die mentale Last bei Partner 2. Dieser soll im Blick haben, was die gemeinsamen Kinder anziehen, wo die Schulmaterialien sind und ob sie die Brotboxen gefüllt haben.
Partner 1 übernimmt von sich aus zwar die Fahrt in die Schule, der Weg dahin wird aber komplett auf Partner 2 übertragen.

Was passiert nun, wenn du zu lange diesem Mental Load ausgesetzt bist?
Vielleicht hast du schon die Geschichte von „Mama“ gelesen, in „mein Kopf, das Wollknäuel“. Auch dort geht es um einen Mental Load, der in einem Zusammenbruch und einer Depression endet.
Das ist ein tatsächlicher Ausgang. Viele Beziehungen gehen an dieser Last kaputt, gerade in Zeiten der Pandemie wurde diese Last auf einen Partner übertragen und irgendwann brachen eben diese Partner zusammen.

Und was mache ich nun gegen diesen Mental Load?
Alle meine Texte lasse ich meinen Partner als erstes lesen. Auf Verstehen, Rechtschreibung und Satzbau. Es soll ja ein Text werden, der den Leser nicht verwirrt.
So habe ich meinem Partner auch den Text über Mama gezeigt. Die Reaktionen waren von wiedererkennendem Lachen, anerkennendem Nicken, bis zum offenen Mund am Ende.
Ich war beeindruckt. Dieser Text löste in meinem Partner genau das aus, worauf ich es absah: ein Hinterfragen der aktuellen Situation.
Tatsächlich spricht die Geschichte viele Beziehungen (mit Kindern) an. Ein Partner hat die volle Mentale Last, der andere führt aus.
Und da fängt das Problem an. Der andere Partner führt aus. Er bekommt die Aufträge, den Müll zu entsorgen, Kinder anzuziehen, die Wäsche zu waschen. Keine dieser Aufgaben wird erkannt.
Also wie ist jetzt die Lösung? Ein Haushaltsplan? In dem jeder seine Aufgaben hat? Doch wenn der andere Partner wegen Müdigkeit oder Krankheit ausfällt? Werden die übernommenen Aufgaben aufgerechnet? Einmal Spülmaschine ausräumen gegen zweimal staubsaugen? 3 Tage die Kinder anziehen, dafür putzt der andere die Fenster?
Das ist weder fair, noch ist es sinnvoll. Ein Haushaltsplan verleitet die Teilnehmer dazu, auch nur das zu tun, was geplant ist. Für ein Kind mag das durchaus sinnvoll sein, von einem erwachsenen Menschen darf man mehr erwarten.
An dieser Stelle hilft es, sich die Sichtweise des anderen Partners zeigen zu lassen. Legt dieser Wert auf Dinge, die euch unwichtig erscheinen? Wie ist seine/ihre Vorgehensweise? Gleicht ab, was eure Prioritäten sind und reflektiert euch gegenseitig. Akzeptiert, wenn euer Partner die Dinge nicht auf eure Weise erledigt.
Beispiel Kinder anziehen: ihr würdet dem Kind die weiße Hose und das grüne Shirt anziehen. Euer Partner wählt die rote Hose und das schwarze Shirt. Ergebnis: euer Kind hat Kleidung an.
Besprecht die anfallenden Aufgaben, am Ende des Tages sollte alles erledigt sein. Wer es wann macht, kann zweitrangig sein. Ob der Tisch um 17 Uhr oder 21 Uhr abgewischt wird, ist zweitrangig. Ob zuerst Kind 1 oder Kind 2 in die Schule/Betreuung gebracht wird, solange alle pünktlich sind, ist Nebensache. Fragt euren Partner auch aktiv, ob Aufgabe XY schon erledigt wurde, nicht, was noch zu erledigen ist. Teilt euch den Mental Load. Er kann nicht verhindert oder abgeschaltet werden. Doch die Halbe Last ist einfacher zu tragen.
Zeigt euch auch Dankbarkeit für die erledigten Aufgaben. Auch wenn es alltägliche, selbstverständliche sind. Ein wenig Anerkennung macht jede Aufgabe erträglicher, sowohl für den einen, als auch den anderen Partner.