Balance und Achtsamkeit

Eine nette Geste

Eine nette Geste ist im Alltag eigentlich schnell gemacht. Eine Tür aufhalten, an der Kasse vorlassen, ein paar nette Worte.
Es kann so einfach sein und doch wird es vergessen. Das Miteinander geht verloren…

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen, die mich unter anderem dazu bewogen hat, diesen Weg einzuschlagen.

Vor etwa 3 Jahren, mein Sohn hatte mal wieder eine OP hinter sich, saßen mein Mann, und ich am Bett vom Junior.
3 weitere Betten mit kleinen Patienten standen dort. Die anderen Eltern ebenfalls bei ihren Kindern.
Mir fiel eine Familie auf. Die Mutter weinte bitterlich, herzzerreißend. Es tat mir weh sie zu sehen.
Die anderen schauten hoch, sahen sie mitleidig an. Niemand reagierte.
Ich gab meinem Mann ein Zeichen, er soll bei unserem schlafenden Sohn bleiben. Ich musste da hin. Einfach nur da sein und ihr zeigen, sie ist nicht alleine.

Ich hockte mich zu ihr und fragte, ob ich da sein darf. Sie könnte auch ihre Ruhe haben wollen.
Sie sah mich an, lies sich nicht vorne umfallen und weinte auf meine Schulter. Einer fremden Frau, deren Kind gerade selbst operiert wurde.
Sie weinte 2 Minuten, auch ihr Mann konnte die Tränen nicht mehr verstecken.
Nachdem sie sich etwas gefangen hatte, erzählte sie mir, warum sie weinte. Eigentlich war sie glücklich. Ihr Kind war gesund, das kam bei der OP raus. Die Ärzte hatten einen furchtbaren Verdacht, der sich nicht bestätigte. Nur eine Entzündung, die sehr gut behandelt werden konnte. Aber die ganze Anspannung, die ganze Last fiel auf einmal ab. Sie lies alles raus, was sich die letzten Woche angehäuft hatte. Die Pfleger und Schwestern taten ihr bestes, aber konnten die Eltern nicht betreuen. Der Andrang war zu groß. Auch die Ärzte hatten nur Minuten, bevor sie zum nächsten Patienten mussten. Die Eltern bleiben allein mit ihrer Angst.

Nachdem sie sich bedankte, fragte sie, warum unser Sohn dort war. Also erzählte ich es. Ein Bruchteil reichte schon, dass die Farbe aus ihrem Gesicht wich.

„Und trotzdem kommen Sie zu mir und trösten mich?“, fragte sie ungläubig.

Die anderen Eltern um uns bekamen alles mit und fragten mich das gleiche.

„Warum sollte ich nicht zum trösten kommen? Gerade ich weiß doch, wie furchtbar es ist, sein eigenes Kind hier liegen zu sehen. Das sollte niemand alleine überstehen müssen.“

Noch Jahre später denke ich an viele dieser Begegnungen. Immer wieder treffe ich Eltern, die sich öffnen und mir anvertrauen.
Die ich verstehe, weil ich ihren Schmerz kenne…